Chorlegium setzt Zeichen

Chorlegium
2. Juni 2026

Das Chorlegium Goetheschule wollte ein Konzert für ein friedliches Zusammenleben gestalten. Der Iran-Krieg kam dazwischen. 

Die Veranstaltung am 8.3.2026 in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Hannover musste aus Sorge vor Vergeltungsschlägen der iranischen Machthaber abgesagt werden.

Das Chorlegium (s. Presse-Beitrag unten) wäre aufgetreten – zusammen mit…

  • dem synagogalen Litvan-Chor,
  • einem Klarinettenduo mit unserer Schülerin Ella Ziegltrum und dem jüdischen Kantor André Sitnow,
  • dem Vokalensemble der Jahrgänge 5-7 unserer Schule
  • sowie mit poetischen Texten zum Thema Frieden des Politikkurses Jg. 13 (Auszug s.u.).
Das Chorlegium bei der Aufnahme

Als ein kleines Zeichen der Menschlichkeit hat unser Chor am Tag des Konzerts anstatt zu bedauern neben dem traditionellen Kanon „Shalom chaverim“ (s.o.) auch das Werk, um das sich das gesamte Projekt aufgebaut hatte, aufgenommen: Der „Spruch“ des jüdischen Komponisten Gideon Klein aus dem Jahre 1944 – ein Stück, das er unter widrigsten Bedingungen im Konzentrationslager Theresienstadt komponierte. 

Es gibt nur wenige Aufnahmen dieser erst vor Kurzem wiederentdeckten Musik. Dank unserer Aulatechnik-AG (Adrian und Oscar) sowie dem Hannoveraner Studio WokeUpOnEarth (hier federführend unser ehemaliger Schüler Robin Abresch) können Sie unsere Version vom „Spruch“ anhören; Hinweise zum Werk sind weiter unten zu finden.

Das Foto zeigt unseren Schulleiter, Herrn Schneemann, bei der Übergabe der Aufnahme an die Sozialreferentin der Synagoge, Alina Fejgin:

Am 19.3.2025 begleitete das Chorlegium die offizielle Gedenkveranstaltung der Gedenkstätte Ahlem für die Zwangsarbeitenden in der NS-Zeit. (Hier mehr dazu.)

Gideon Klein vertont das Gedicht „Spruch“ eines unbekannten deutschen Autors. Es erzählt vom Feiern, vom Genuss des Lebens. Und dies spiegelt sich auch in der Musik: Laute, rohe Ausrufe, die an ein „Prost“ in einer Bar erinnern; der rote Wein, fast schon beschwörend umsungen. 

Das Besondere: Gideon Klein komponiert das Stück im Konzentrationslager Theresienstadt(1) – als jüdischer Gefangener, umgeben von Tod, Elend, unvorstellbarem Leid und brachialer Menschenverachtung. Auf den ersten Blick scheint dies ein krasser Widerspruch zu sein.

Wie kann man im Angesicht des Todes vom Leben singen? 

Streng genommen erzählt das Gedicht selbst auch vom Tod, zumindest wenn es darum geht, „sein Erbe gut zu sähen“, was aus Perspektive eines politischen Gefangenen zynisch erscheint.

Hört man genauer hin, gibt sich auch in der Musik das Grausame zu erkennen. Sei es in den schrillen Tönen zu Beginn, in den sich einschleichenden Dissonanzen oder in den immer wieder tief fallenden Melodien. Stets wohldosiert, fast unbemerkt – vielleicht aus Angst vor den Nationalsozialisten.

Gideon Kleins „Spruch“ ist ein Weckruf an die Menschlichkeit, ohne dabei plump zu appellieren, ohne ins Profane abzudriften, aber dafür mit einer Prise Humor. Und vor allem Hoffnung. Denn wenn es am Ende heißt „Freund und Tröster lebenslang“, steht der besungene Wein letztlich sinnbildlich (und religiös-metaphorisch) für das menschliche Blut – also für den Menschen an deiner Seite.

(1) Vgl. Milan Slavicky: Gideon Klein. Smíšené Sbory (Vorwort zur Partitur). Helvetica&Tempora Praha, 2004

Das Logo des Chorlegiums ist eine Anlehnung an das Goetheschullogo, nur dass die Striche des Ginkgo-Blatts zu wild gebogenen Noten geworden sind. Der Ginkgo gilt als älteste Baumart der Welt. Die Metamorphose unseres Logos für das Chorlegium steht für das Überdauern der Musik, für ihre Stärke über Generationen hinweg, für innere Kraft, die besonders in schweren Zeiten so relevant zu sein scheint.

Das Logo des Chorlegiums

Unser Kollege, Leif Flühe, hat dieses Logo in eine 3D-Druck-Datei umgewandelt und mithilfe des neuen 3D-Druckers unserer Schule eine Schablone angefertigt, sodass wir die T-Shirts eigenhändig mit Textilfarbe bedrucken konnten.

Herr Flühe in der 3D-Druck-Kammer

Danke an dieser Stelle für die Zusammenarbeit. Eine tolle Schule, an der ganz unkompliziert unterschiedlichste Fachbereiche zusammenkommen können.

Chor-/Projektleitung: Raphael Legrand
Stimmbildung/Vokalensemble 5-7: Nadine Schäfer
Politik-Kursleitung: Sara Scharnhorst
Kooperationspartner: Jüdische Gemeinde Hannover, Gedenkstätte Ahlem
Aufnahmetechnik: Adrian und Oscar der Aulatechnik-AG
Postproduktion: Robin Abresch

Ankündigungen

Informationen zu Schulausfällen bei extremen Witterungsverhältnissen:
… finden Sie auf der Website des Regionalen Landesamts für Schule und Bildung Hannover. Bitte geben Sie Ihrem Kind eine Erklärung mit, wenn es bei vorzeitigem Unterrichtsschluss nach Hause gehen darf.

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