In der Woche vom 1. bis 5. Juni 2026 hatten wir, eine kleine Gruppe von 7 Schülerinnen und zwei Lehrerinnen die Möglichkeit, im Rahmen des Prix Liberté nach Caen zu fahren. Dort sollte am 4. Juni dem afghanischen Menschenrechtsaktivisten Matiullah Wesa ein Preis für sein Engagement überreicht werden, nachdem junge Menschen weltweit für ihn gestimmt hatten. Sein Portrait findet ihr hier:
Am Montag den 1. Juni, haben wir uns um 6 Uhr am Hauptbahnhof in Hannover getroffen. Wir sind mit dem Zug nach Köln gefahren. Dort sind wir direkt mit dem Zug nach Paris gefahren. In Paris hatten wir dann etwa drei Stunden Zeit die Stadt zu besichtigen. Während den drei Stunden waren wir in den Galeries Lafayette, von einer Aussichtsplattform aus konnten wir den Eiffelturm sowie die Pariser Oper sehen. Im Anschluss hatten wir noch Zeit, in kleinen Gruppen die Stadt zu erkunden. Wir waren in Cafés und haben Souvenirs gekauft. Von Paris sind wir nach Caen gefahren, wo wir von Teilen der Jury des Prix Liberté abgeholt wurden. Um 22 Uhr erreichten wir dann unser Hostel „The People“.
Den Dienstag haben wir mit der Jury verbracht. Am Morgen sind wir gegen 9 Uhr losgefahren zum Mont Saint-Michel. Dort haben wir eine Führung durch das Dorf und das Kloster bekommen. Es gab eine auf Englisch und eine auf Französisch. Im Anschluss hatten wir noch eine gute Stunde Zeit, das Dorf selbst zu erkunden. Am frühen Abend waren wir zurück im Hostel. Wir haben dann noch Snacks gekauft und am Abend mit der Jury UNO gespielt.
Am Mittwoch haben wir zusammen mit einer niedersächsischen Delegation zuerst den Omaha Beach besucht und mehr über den D-Day gelernt. Danach waren wir bei amerikanischen und deutschen Soldatenfriedhöfen, die uns gezeigt haben, wie schlimm der Krieg war. Anschließend haben wir das Mémorial de Caen besucht. In diesem Museum hatten wir eine Führung und haben viel über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust erfahren. Ein besonderes Erlebnis war das anschließende Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Olaf Lies. Danach haben wir noch gemeinsam etwas gegessen. Insgesamt war es ein sehr interessanter und eindrucksvoller Tag, an dem wir viel gelernt haben.
Am 4. Juni war der Tag der Preisverleihung. Vormittags fand im Hörsaal der Universität von Caen ein Gespräch mit dem Gewinner Matiuallah Wesa und der afghanischen Autorin Mursal Sayas statt. Das Gespräch wurde teilweise auf Französisch und teilweise auf Englisch geführt. Die Anwesenden (Jury, Studenten, Schüler, wir etc.) konnten Fragen stellen, die anschließend von Mursal Sayas und Matiullah Wesa beantwortet wurden. Von der Universität aus fuhren wir mit dem Bus zum Zénith de Caen. Dort wurde Matiullah Wesa der Prix Liberté überreicht. Die Veranstaltung wurde von ungefähr 4.000 Menschen besucht. Wir saßen in einer der vorderen Reihen und hatten deshalb einen besonders guten Blick auf die Bühne. Bevor der Preis überreicht wurde, fanden mehrere Auftritte und Reden statt: eine Tanzaufführung, ein akrobatischer Auftritt, Chorauftritte sowie ein Gesangsauftritt. Der stellvertretende Regionspräsident der Normandie und der Ministerpräsident von Niedersachsen hielten jeweils eine Rede. Außerdem wurden mehrere Veteranen aus den USA eingeflogen, die den D-Day als junge Soldaten in der Normandie selbst miterlebt hatten. Auch sie hatten einen kurzen Auftritt auf der Bühne. Zum Schluss standen die Jury, die beiden Politiker und Matiullah Wesa gemeinsam auf der Bühne, und ihm wurde der Preis überreicht. Danach gab es großen Applaus vom Publikum. Unter diesem Link findet ihr einen Mitschnitt von der Preisverleihung:
Anschließend liefen wir zurück in die Stadt. Am Abend schauten wir uns noch das Schloss von Caen an und verabschiedeten uns von den Jurymitgliedern.
Am Freitag waren wir fast den ganzen Tag unterwegs. Auf dem Weg nach Hause haben wir noch einmal kurz in Paris angehalten. Danach ging die lange Rückfahrt weiter. Müde, aber mit vielen schönen Erinnerungen, kamen wir wieder zu Hause an.
Maral, Marie, Rike

Eindrücke von der Reise
„Bereits im Februar 2026 hatte ich die Gelegenheit, als Mitglied der internationalen Jury des Prix Liberté 2026 nach Frankreich zu reisen. Gemeinsam mit 23 weiteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus verschiedenen Ländern wählten wir aus über 600 eingereichten vorgeschlagenen Aktivistinnen und Aktivisten zunächst 100, dann 10 und schließlich drei Finalisten aus. Über diese konnten dann junge Menschen aus aller Welt abstimmen, wodurch Matiullah Wesa zum Gewinner des Prix Liberté 2026 gewählt wurde.
Die Juryarbeit bestand aus vielen Diskussionen und dem Austausch verschiedener Meinungen und Ansichten. Besonders wichtig war uns, Kandidatinnen und Kandidaten auszuwählen, deren Engagement langfristige Auswirkungen auf die Probleme in der Welt haben könnte, für die sie sich mit ihrem Kampf einsetzen. Unterstützt wurden wir dabei unter anderem von Hadja Idrissa Bah, der Gewinnerin des Prix Liberté 2023 und dem Team des „International Institute for Human Rights and Peace“.
Neben der Juryarbeit war vor allem der internationale Austausch mit jungen Menschen wie mir eine tolle Erfahrung. Durch diesen Austausch erhielt ich Einblicke in die unterschiedlichen Perspektiven der Jurymitglieder aus verschiedenen Ländern. Die Zusammenarbeit erfolgte ausschließlich auf Französisch und Englisch, wodurch dieses Erlebnis auch sprachlich bereichernd für mich war.
Im Juni wurde ich als Teil der Jury erneut nach Caen eingeladen, um an der Preisverleihung teilzunehmen. Dadurch hatte ich teilweise ein anderes Programm als die anderen Schülerinnen unserer Gruppe. Die Jury hatte unter anderem die Möglichkeit, den Gewinner Matiullah Wesa persönlich kennenzulernen und mit ihm über seinen Aktivismus zu sprechen. Diese Gelegenheit war besonders inspirierend. Während der Zeremonie wurde die Jury außerdem auf die Bühne gebeten und es wurde ein Dank für unsere Arbeit ausgesprochen. Mit der Übergabe des Preises an Matiullah Wesa endete schließlich meine Tätigkeit als Jurymitglied.
Diese gesamte Reise von den ersten Entscheidungen im Februar bis hin zur Preisübergabe im Juni war für mich sehr prägend und eine wertvolle Erfahrung. Vor allem der internationale, kulturelle Austausch und die Möglichkeit, als junger Mensch Verantwortung zu übernehmen und sich mit Themen wie Freiheit und Menschenrechten auseinanderzusetzen, werden mir lange in Erinnerung bleiben. Deshalb kann ich auch allen nur empfehlen, sich in den kommenden Jahren ebenfalls für die Jury des Prix Liberté zu bewerben!“
Vlada
„Die Reise nach Caen im Rahmen des Prix Liberté 2026 war für uns eine besondere Erfahrung, die wir sicherlich nicht so schnell vergessen werden. Während wir die Normandie erkundeten und historische Orte wie den Omaha Beach oder das Mémorial de Caen besuchten, war vor allem die Begegnung mit Menschen aus verschiedenen Ländern etwas Besonderes.
Ein Highlight der Woche war für uns die Preisverleihung im Zénith de Caen. Gemeinsam mit rund 4.000 weiteren Besucherinnen und Besuchern konnten wir miterleben, wie Matiullah Wesa für seinen Einsatz für das Recht auf Bildung ausgezeichnet wurde. Besonders beeindruckend waren für uns seine Geschichte und das Interview an der Universität von Caen. Seine Geschichte hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, sich für andere Menschen und ihre Rechte einzusetzen.
Aber auch die gemeinsame Zeit mit den Jurymitgliedern, die Gespräche mit anderen Jugendlichen und die vielen neuen Eindrücke haben diese Woche unvergesslich gemacht. Sie hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, sich für Freiheit, Frieden und Bildung einzusetzen und dass auch junge Menschen einen Beitrag dazu leisten können.
Insgesamt war die Woche in Caen für uns mehr als nur eine Reise. Wir haben viele schöne Erinnerungen gesammelt und viel über Menschenrechte und Freiheit gelernt. Die Woche wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Sie hat uns gezeigt, dass Freiheit und Menschenrechte nicht selbstverständlich sind und geschützt werden müssen.“
Nidâ
„Ich durfte dieses Jahr an der Fahrt nach Caen für den Prix Liberté teilnehmen. Die Woche war sehr eindrucksvoll und es gab Tage, die sehr emotional waren und Tage, an denen wir entspannt durch die Innenstadt gelaufen sind und die Zeit dort genossen haben. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, sich nicht nur in seinem eigenen Kreis zu bewegen, sondern auch mal den Horizont zu erweitern, denn sonst hätte ich diese tolle Woche mit diesen Menschen gar nicht erlebt. Ich hatte eine gute Zeit und habe neue Freundschaften geknüpft. Allerdings gab es ebenfalls Momente, in denen ich gar nicht fassen konnte, was in der Zeit des 2. Weltkrieges zwischen Frankreich und Deutschland passiert ist. Mich hat der Tag, an dem wir am Omaha Beach waren, sehr berührt und auch das Aufeinandertreffen mit den Veteranen am Tag der Preisverleihung war sehr emotional.
Aber zusammenfassend denke ich, dass genau dies die perfekte Mischung ist. Nämlich die historische Geschichte, die mit Caen bzw. der Normandie einhergeht und unsere persönliche Geschichte, die wir für uns aus der Reise mitnehmen.“
Charlotte
Text & Bilder: L. Glöckler



