Seit dem 06.März 2026 sind einen Monat lang großformatige, malerische und zeichnerische Arbeiten unseres Kunst LKs im Bürgersaal des Neuen Rathauses zu sehen. Das Ganze ist eine Kooperation der Stadt Hannover mit unserer Schule und der IGS Roderbruch, die Fotografien zeigt.
Dass wir diese Gelegenheit bekommen, ist etwas ganz Besonderes für uns. Bei der Eröffnung durch den Oberbürgermeister Belit Onay waren wir alle aufgeregt. Frau Moraghebi von der Stelle für Demokratieförderung hielt eine Rede über das „Märchenhafte“ am Muttersein. Die Schüler:innen der IGS Roderbruch machten Musik. Die Frauenbeauftragte der Stadt war da, die Bezirksbürgermeisterin, und natürlich unsere Familien. Denn es ging ja – wie der Titel schon sagt – um unsere Mütter.
Warum „Mensch.Mutter.Mut.“?
Diese Ausstellung macht etwas sichtbar, das häufig unsichtbar bleibt: die unbezahlte Care-Arbeit, die Mütter leisten. Sie zeigt Arbeit, die nicht in Statistiken des Bruttoinlandsprodukts erscheint, die sich nicht auf Lohnabrechnungen findet, die aber jeden Tag unersetzlich ist. Und gerade weil diese Arbeit so selbstverständlich erwartet wird, wird sie oft unterschätzt – und geschlechtlich höchst ungleich verteilt.

Rund 80 Prozent der unbezahlten Sorgearbeit in Deutschland wird von Frauen geleistet. Frauen verbringen im Schnitt eineinhalb Stunden mehr pro Tag mit Hausarbeit und Kinderbetreuung als Männer. Gleichzeitig arbeiten sie häufiger in Teilzeit – oft nicht aus freien Stücken, sondern weil Strukturen und Erwartungen es ihnen nahelegen.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt 18 Prozent weniger als Männer. Der Gender Care Gap liegt bei etwa 44 Prozent, also fast anderthalb Stunden mehr Care-Arbeit pro Tag. Der Gender Pension Gap beträgt sogar etwa 30 Prozent, weil unterbrochene Erwerbsbiografien und Teilzeit sich im Alter bitter auswirken.
Diese Ausstellung setzt dem etwas entgegen: Sie schenkt Sichtbarkeit.
Denn Care-Arbeit ist nicht nur Arbeit. Sie ist Beziehung. Sie ist Verantwortung. Sie ist ein stiller Motor des Gemeinwohls. Ohne sie funktioniert keine Kita, keine Schule, kein Arbeitsplatz, keine Stadt, kein Staat.
Wie wir vorgegangen sind:
Im Rahmen der Werkstattarbeit haben wir uns als Kurs darauf geeignet, dass wir uns bei unseren Werken, auf die Hände unserer Mütter fokussieren wollen. Sie stehen dabei als Symbol für Arbeit, Sorge, Belastung und Zuneigung.
Am Anfang haben wir allgemein damit begonnen uns mit der Anatomie der Hand und der Dreidimensionalität durch skizzenhafte Versuche vertraut zu machen. Anschließend haben wir ein eigenes Motiv entwickelt. machten Fotos davon, fertigten Skizzen an und entschieden uns für eine passende Technik. Auf dieser Grundlage haben wir unsere Exponate gemalt. Zum Schluss haben wir unsere Arbeitsprozesse reflektiert und in Form von Portfoliomappen dokumentiert.
Woher kamen die Ideen?
Wenn wir an unsere Mütter denken, denken wir oft zuerst ausschließlich daran, dass sie Mütter sind.
Aber sie sind auch Frauen mit eigenen Träumen, Stärken und Leidenschaften.
Einige unserer Mütter sind handwerklich begabt und reparieren Dinge selbst. Andere fahren Motorrad und zeigen Mut und Freiheit. Manche investieren und treffen kluge Entscheidungen für ihre Zukunft. Viele treiben gerne Sport, sind künstlerisch, haben studiert oder haben den Mut gehabt, sich in ein neues Land zu integrieren. Gleichzeitig haben sie Überlastung erlebt, Krisen gemeistert, Verzweiflung überwunden. Jenseits des mütterlichen Klischees gibt es in ihren Biografien auch Brüche und Widerstände.
Unsere Mütter haben uns stark gemacht. Sie haben uns Selbstbewusstsein beigebracht, auch in einer Welt, in der Frauen leider immer noch mit Sexismus, Rassismus und anderen Formen von Diskriminierung konfrontiert sind.
Sie haben einen großen Teil dazu beigetragen, dass wir heute die jungen Frauen sind, die wir sind.
Text: Phillipa Oweis, Janne Saathoff
Fotos: Claudia Wilholt


