Monster in the hall

Allgemein
16. Oktober 2019
Teaser

„The Monster in the Hall“ – Die English Drama Group beschreitet neues Terrain

Wer hat sich bei dem Titel des neuen Stücks der  English Drama  Group (EDG) nicht kurz gefragt: „The Monster in the Hall? Ist das von Shakespeare?!“ Doch weit gefehlt. In diesem Jahr verabschiedete sich die EDG von den gewohnt traditionellen Stücken und beschritt mit „The Monster in the Hall“ modernes Terrain.

Dass in diesem Jahr doch irgendwie alles anderes werden würde, ahnte der Zuschauer schon beim Betreten der Aula: Stapel von Pizzakartons, benutzte Bierdosen und abgewetzte Möbel bevölkerten die sonst so imposant ausgestattete Bühne. Die sogenannte vierte Wand zwischen Zuschauern und Bühne wurde mittels blockartiger Bestuhlung und einem in den Zuschauerraum hineinragenden langen Laufsteg gelungen durchbrochen. Im Hintergrund lief – zunächst leise – Rock ‘n‘ Roll.

Dass die dann dargestellte Welt dem Zuschauer nicht nur räumlich, sondern auch lebensweltlich näher als die Shakespeares sein könnte, zeigt auch die Story: Duck (Anna Deutschmann), ein 16jähriges Mädchen, hat es weiß Gott nicht leicht. Seine Mutter starb schon vor Jahren bei einem Motorradunfall. Seitdem lebt es allein mit seinem Vater, einem kiffenden und zockenden Ex-Biker (Milan Gremmel), um den es sich aufgrund seiner voranschreitenden Multiplen Sklerose kümmern muss. Nun steht auch noch ein Hausbesuch der Frau vom Jugendamt an (Anna-Maria Panagiotou). Duck steht unter Druck, lebt sie doch in ständiger Sorge, ihr Zuhause verlassen zu müssen. Zu allem Übel erblindet der Vater kurz vor dem Besuch und Ducks Schwarm Lawrence Lofthouse (Niklas Gellert) und die ausgeflippte norwegische Internetbekanntschaft (Yasmin Cao) ihres Vaters machen das Ganze wahrlich nicht besser. Was für ein Chaos!

Dass dieses Chaos lautes Gelächter im Publikum auslöste, ergab sich nicht nur dank der grandiosen Pointen, sondern auch dank des gelungenen Spiels von Anna-Maria Panagiotou, Milan Gremmel, Niclas Gellert und Yasmin Cao. Vor allem aber die außergewöhnliche Professionalität des Spiels und das komödiantische Talent von Yasmin Cao lösten während und nach dem Stück frenetische Begeisterung aus. Für die Hauptrolle bewies Ilka Springmann – wie immer – ein sehr gutes Händchen: Anna Deutschmann überzeugte nicht nur durch ihr authentisches Spiel, sondern vermochte es, den Zuschauer mit ihr mitfiebern, mitleiden und mitlachen zu lassen. Sowohl für humoristische als auch für tragische Einlagen sorgten die „Monsters“, durch die Ducks Gedanken und Gefühle dem Zuschauer übermittelt wurden. Großartig kostümiert flitzten diese immer wieder durch die Aula und ließen so das Innenleben Ducks dem Besucher wortwörtlich vor Augen treten. Besonders mitreißend war hierbei die Darstellung von Robin Abresch, Marlene Mesa, Fathi Güler und Ella Loris Crusius, die für tosenden Zwischenapplaus des Publikums sorgten. Zudem bereicherte Marlene Mesa die Aufführung durch ihre wunderbare Stimme, die sich als wahre Rockröhre an diesem Abend entpuppte, begleitet von einer dreiköpfigen Band (Marlene Stein, Alexander Malaschewski, Philip Noreisch). Dem standen auch die zauberhaften Gesangseinlagen von Yasmin Cao und Anna Deutschmann in nichts nach, die sehr sinnvoll in das Stück integriert wurden. Und auch sonst zeigte sich Regisseurin Ilka Springmann – in fast schon gewohnter Manier – als wahre Meisterin der musikalisch-stimmigen Untermalung. Als großartigen Einfall kann man die während der Gesangseinlagen im Hintergrund weiterlaufende, aber lautlose Handlung bezeichnen, die wie in einem Musikvideo im Slow Motion-Modus ablief. Auch die Technik bewies stets einen Sinn für Timing.

Insgesamt wurde an diesem Abend dem Zuschauer zwar ein wahres Kontrastprogramm, dies jedoch in gewohnt hoher Qualität geboten. Ilka Springmann und ihre Truppe stellten höchst überzeugend unter Beweis, dass sie sehr wohl auch modern können, und begeisterten damit das gesamte Publikum. Insofern zeigt die EDG, dass Kursänderungen manchmal nicht nur sinnvoll, sondern vor allem auch großartig sein können. Daher: Mehr davon!

Text: Florentina Koch

Fotos: Michael Gellrich

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