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GIRLSNIGHTOUT: wenn’s auf die abendliche Pirsch geht - ein Probenbesuch

Was macht eigentlich der kleine sprechende Teddy-Tanz-Bär mit Brille auf rotem Eimer vorne am Catwalk? Was hängen da für merkwürdige Utensilien hoch oben kurz vorm Bühnenhimmel an Kleiderbügeln herum? Und dort, das ist doch Ken, der alte Barbie-Junkie, der mich anzwinkert: „Komm und spiel mit mir!“ Und wozu dieser bonbon-farbene Kassettenrecorder aus dem Mädchenzimmer der 90er Jahre?

 

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Neu ist dieser Catwalk, der mitten in den Zuschauerraum hineinragt, gibt’s hier wieder ‘ne Modenschau zu sehen? Das sicher nicht, obwohl dazu unsere vier Girlies passen, Sarah, Lisa, Joana und Frederike, wie sie sich auf dem Laufsteg räkeln, kabbeln, vergnügen, beglubschen, begrabschen usw.: „Oh wei, die Pickel sind wahrhaft beängstigend!“ „Oje, die Titties, sind das überhaupt welche?“ „Und oh mein Gott – die, die, sind die wirklich echt?“ Also nicht so sehr Modenschau, eher Alltägliches, Trash, viel Trash, das, worüber eben so gequatscht wird, wenn man sich präpariert für die GIRLSNIGHTOUT, wenn’s nach draußen auf die abendliche Pirsch, die Jagd nach Männchen oder Ähnlichem geht.

 

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Probe: „Ihr müsst das Publikum mehr fordern, ihr müsst das Publikum viel stärker anspielen, es massiv anspielen. Versucht den gesamten Raum zu bedienen.“ Die Stimme des Meisters, Warnecke, aus dem Off. Neben der Regieassistenz. Und die Girlies machen’s noch einmal. Massiver. Besser. Spielen uns an. „Versicherungskauffrau. Is‘ doch ‘n toller Job, nicht wahr? --- toller Job, NICHT WAHR?!“ Herrgott, Joana macht mich an. Das kann doch nicht wahr sein. „Ja klar“, stottere ich. Bei der Premiere ist der beste Platz wohl doch nicht immer der in der ersten Reihe.

 

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Nein, Quatsch! Setzt euch in die erste Reihe. Reserviert euch die Plätze. Dicht dran sein. Soviel Emo wie möglich mitnehmen! Denn da ist ja auch noch die Musik! Die Songs bringen es. Mindestens ebenso wie beim Woyzeck und bei der Emilia. Das kennen wir von Warneckes Inszenierungen ja. Hier allerdings wieder anders. Geht es um die Jungs, die den Mädels hinterherlaufen und nachgaffen, sind nicht nur sogleich die Eselsmasken zur Hand, schnell ist auch das endsprechende Liedchen parat und wird professionell auf die Bühne gebracht: „Deine Augen machen blink, blink…“ „Bananas…“ [Ausgerechnet Bananen…] Die Mädels brauchen kein Radio, kein vorverdautes Gedudele, sie machen es sich selbst. Auch an der Loop-Station. Das heißt, gerade dort. Und da die Mädchen wissen, dass Technik und Schule eine Geschichte des Scheiterns repräsentieren, wird auch dieses Thema noch improvisierend mit einbezogen.

 

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Aber dass hier kein Missverständnis entsteht: Hier geht es nicht nur um Trash. Verschiedenste Genres und Formen der Präsentation vom Tanz, Spiel, Gesang, Rhythmus, Slapstick werden montiert, um sich – zumindest unter schulischen Bedingungen – zu sehenswertem postmodernen Theater zu ergänzen. Metaphysische Aphorismen werden eingebracht, etwa über den Tod, die natürlich hinten auf der Bühne übers Mikro eingespielt werden. Gedankensplitter wie „Entscheidung ist das halbe Leben – ich will aber das Ganze haben…“ lassen das Publikum – wenn es die „Botschaft“ über die feminine Präsenz auf der Bühne noch nicht mitbekommen hat – darüber ins Grübeln kommen, mit was für einer Generation von Mädchen und Frauen wir es hier eigentlich zu tun haben. Gerade unsere QP 3/4 Eleven, die mit Christian Krachts Faserland gerade die eher maskulin-destruktive Variante des postmodernen deutschen Heros kennengelernt haben, werden hier ein interessantes Gegenstück erleben.

 

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Letztendlich hat Holger Warnecke wieder einmal ein recht glückliches Händchen gehabt, mit dem Danckwart-Text eine Spielvorlage aus dem Hut zu zaubern, die uns viel Theatervergnügen auf hohem postmodernen Niveau verspricht.
Wir werden sehen!

Text: Jochen Hengst
Fotos: Kai Kämmerer

 

GIRLSNIGHTOUT von Gesine Danckwart
Theater-AG der Goetheschule
Regie: Holger Warnecke
Premiere am 18.1.2013 (19.30 Uhr)
Weitere Aufführungen am 19. , 24., 25. und 26.1.2012 (jew. 19.30 Uhr) und am 22.1.2013 (10.40).
Aula des Gymnasiums Goetheschule, Haltenhoffstraße
Karten: 4,-/6,- Euro

 

Am 10. Januar berichtete auch die HAZ im Stadtanzeiger über die bevorstehende Aufführung

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Der TRAILER zur Inszenierung: