.

Der Weg zum Segelschein

Irgendwann hat uns die Leidenschaft gepackt: Wie von Zauberhand lautlos über das Wasser zu gleiten, nur begleitet von Rauschen der Wellen; Wind und Sonne zu genießen; einfach abzuschalten und draußen zu sein - allein oder mit anderen; ein eigenes Segelboot zu besitzen oder jederzeit eines leihen zu können.

 

Törn 2009_2

 

Der Weg dorthin steht seit über 25 Jahren allen Goetheschülern und -schülerinnen offen. Denn so lange gibt es die Segel-AG bereits. Der Hannoversche Yacht Club stellt uns Liegeplätze am Maschsee zur Verfügung und ermöglicht uns auch das Segeln auf dem Steinhuder Meer. Unsere Boote sind uns fast durchweg als Spende übereignet oder leihweise zur Verfügung gestellt worden und werden von uns mit großer Sorgfalt gepeflegt. Der Fuhrpark ist bunt gemischt. Wir verfügen über leichte und schnelle Boote, die wie die 470er oder das Finn Dinghi, die olympische Bootsklassen sind. Bei viel Wind und für die Anfängerausbildung nutzen wir gern unsere größeren und reffbaren Boote. So ist für jede Gelegenheit etwas dabei, und unsere AG-Mitglieder lernen eine Vielzahl von Bootstypen kennen.

 

Höhepunkt des Jahres ist der Ausbildungstörn auf der Ostsee. Jedes Jahr im Mai brechen wir zu einem einwöchigen Segeltörn in die deutsche und dänische Inselwelt auf. Mehrere ehemalige Lehrer und Schüler begleiten uns dann, übernehmen Verantwortung und geben ihr Wissen weiter. Navigation, Wetterkunde, Fahren unter Motor, UKW-Sprechfunk und Umweltschutz sind besondere Ausbildungsinhalte. Das gemeinsame Bordleben auf engstem Raum erfordert Disziplin, Teamgeist und Rücksichtnahme.

 

In diesem Schuljahr haben wir als AG erstmals mit einem Seeschiff an der Regatta `Nautic Young Stars´ bei Fehmarn teilgenommen. Wider Erwarten herrschten Mitte Oktober Leichtwindverhältnisse, was für unser über 8 Tonnen schweres Charterboot im Vergleich zu den leichteren Konkurrenten zu wenig war. So konnten wir gegenüber den anderen Booten, deren Regattazeit mit einem günstigeren Umrechnungsfaktor errechnet wurde, keinen ausreichenden Vorsprung heraussegeln. Aber im nächsten Jahr wollen wir mal sehen, ob wir von den Küsten-Profis nicht doch ein wenig dazugelernt haben.

 

Die meisten AG-Teilnehmer schaffen bis zum Abitur wenigstens den Sportboót-Führerschein Binnen für Segel- und Motorboote. Für Freaks bieten wir dann noch die Ausbildung zum Sportbootführerschein See und zum UKW-Sprechfunkzeugnis. Zwar gibt es noch höherwertigere Segel- und Funkscheine, aber die befähigen zum Hochseesegeln, und da müssen wir als Binnenlandgymnasium allen Wunschträumen zum Trotz die Kirche im Dorf lassen. - Zunächst.

 

Wie kommt man nun aber bei uns zum Segelschein? Das Mindestalter für die Binnenlizenz beträgt 14 Jahre. Deshalb beginnen wir meist in der achten Klasse mit der unmittelbaren Vorbereitung. Aber auch manche Absolventen des Oberstufen-Segelgrundkurses steigen noch in das Prüfungsverfahren ein. In der Regel bereiten wir die Theorieprüfung im Winter vor. Die Prüfungsbögen sehen etwa so aus wie beim Autoführerschein, nur beziehen sie sich eben auf den Wassersport. Der Kanon der Prüfungsfragen umfasst insgesamt 450 Fragen, die es zu verstehen und zu beantworten gilt. Im darauffolgenden Herbst steht dann die Praxisprüfung mit den Inhalten An- und Ablegen, Wenden, Halsen, Rückwärtssegeln und dem Mann-über-Bord-Manöver an. Werden beide Teilprüfungen bestanden, besitzen die Prüflinge lebenslang den Binnen-Segelschein. Die dritte Teilprüfung ist die optionale Motorbootprüfung auf dem Leinekanal. Die Praxisprüfung ähnelt der beim Segeln - wird aber unter Motor gefahren. Die Prüfungsgebühren betragen jeweils etwa 100 Euro, der Jahresbeitrag für die Segel-AG beträgt zur Zeit 30 Euro. Für den Seeschein muss man mindestens 16 Jahre alt sein. Die praktischen Prüfungsinhalte ähneln sich wieder, die Theorie ist noch einmal ähnlich umfangreich wie beim Binneschein. Auch das UKW-Funkzeugnis erfordert eine Theorie- und eine Praxisprüfung.

 

Wer sich beeilt, kann das volle Programm noch vor dem Autoführerschein absolvieren. Das schaffen aber nur wenige, und für den selbständigen Segelspaß genügt der Binnenschein vollauf. Wer diesen Schein besitzt und Mitglied der Segel-AG ist, kann von Frühjahr bis Herbst jederzeit mit einem AG-Boot auf dem Maschsee segeln - auch ohne Lehrer. Die Mitgliedschaft im Hannoverschen Yacht Club eröffnet zusätzlich das Segeln auf dem Steinhuder Meer, wo den AG-Mitgliedern ebenfalls ein Boot zur Verfügung steht. Die Vereinsmitgliedschaft kostet derzeit 80 Euro im Jahr - mit der Zusatzverpflichtung zum Arbeitseinsatz.

 

Joachim Wendorf, November 2010