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Goetheschüler auf den Spuren von James Bond - Tagebuch einer Istanbulreise

Istanbul, 2. Juli 2011


Das Unternehmen Titelgewinn bei den diesjährigen RoboCup Weltmeisterschaften in Istanbul ist gestartet.
Mit eineinhalbstündiger Verspätung erreichten die vier Siebtklässler Tom Siebert, Alexandros Tanopolous, Dejan Bernobic und Philipp Klein (alle 7d) in Begleitung von Herrn Stellfeldt und Herrn Selke den Atatürk Flughafen in Istanbul. Erschöpft, müde, aber voller Zuversicht checkte der Tross erst um 1.30 Uhr morgens im Hotel ein.
Zum Verschnaufen blieb allerdings in der pulsierenden Metropole der Türkei keine Zeit. Istanbul, Schmelztiegel vieler Kulturen, wollte erkundet werden.
Die aus dem James Bond-Film „Liebesgrüße aus Moskau“ bekannten Yerebatan Zisternen sollten das erste touristische Ziel sein. Sie dienten im 6.Jahrhundert unter Kaiser Justinian als gigantischer Wasserspeicher. Ihre Kapazität betrug 80000 Kubikmeter Wasser. 336 acht Meter hohe Säulen tragen das Gewölbe. Die Zisternen entreißen den Besucher aus dem Trubel der Großstadt und lassen ihn in eine längst vergangene Zeit eintauchen.

 

2001_Robo_Zisterne

 

Anschließend ging es zur imposanten Hagia Sophia. Erst christliche Kirche, dann Moschee und mit dem Weitblick der Versöhnung von Atatürk in ein Museum verwandelt, spiegelt dieses Gebäude die Geschichte Istanbuls wie kein zweites wieder.
Abgeschlossen wurde der erste Tag mit einem Rundgang durch den Istanbuler Stadtteil Sultanahmet. Die unzähligen Basare und Straßenstände sorgten für das leibliche Wohl der noch jungen Goetheschüler.

 

2001_Robo_Basar

 

 

 

Sonntag, 3. Juli 2011


Unsere WM-Teilnehmer waren heute gezeichnet von einer kurzen Nacht. Pünktlich um 05.30 Uhr rief der Muezzin der nahe gelegenen Tulpenmoschee zum Gebet. Nach kurzem Frühstück ging es dann aber zu einer erholsamen Bosporusfahrt. Die knapp dreistündige Fahrt nutzte der eine oder andere Schüler, um sich den entgangenen Schlaf zurückzuholen. An der sagenumwobenen Galtabrücke stachen wir in See. Auf dem Weg zeigte uns Istanbul den unermesslichen Reichtum seiner langen Geschichte, z.B. den im 19. Jahrhundert erbauten Sultanspalast oder aber die mondänen Hotels, in denen die Suite 30000 Euro die Nacht kosten.

Am Ende der Fahrt genossen wir dann in der Nähe des Fährableger unweit der Galatabrücke ein von mehreren Schülerinnen und Schülern empfohlenen Fischbrötchen. Voller Tatendrang und der Sehnsucht nach Kultur machten wir uns über den Tierbasar in Richtung Süleymann-Moschee auf. Nach einem interessanten Kurzvortrag von Philipp und Dejan schlossen wir den heutigen Tag mit einer Besichtigung der Moschee ab.

 


Montag, 4. Juli 2011

 

Die Entführung aus dem Serail
Am dritten Tag in Istanbul machte sich der WM-Tross auf zu dem sagenumwobenen Palast der Sultane. Im Topkapi-Palast herrschten die Sultane seit Mitte des 16. Jahrhunderts bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

 

2001_Robo_Topkapi

 

Mit Erheiterung nahmen die Schüler auch die verschiedenen Beinamen der Sultane zur Kenntnis: So wurden die Osmanen regiert von Selim, dem Säufer, oder aber Ibrahim, dem verrückten. Verrückt nannte man ihn, weil dieser mit einer Armbrust und großer Freude willkürlich auf Passanten schoss. Natürlich beeindruckte die immense Größe, z.B. die Küche mit ihren bis zu 1200 Köchen, oder auch der Harem die Schüler. Nur mit sehr viel Phantasie konnte man sich vorstellen, unter welchen Bedingungen die Frauen in diesem Teil des Palastes mit den sie bewachenden Eunuchen gelebt haben.

Nach diesem Besichtigungsmarathon sprangen die Schüler erst einmal in den hauseigenen Pool auf dem Dach des Hotels. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es dann auf den großen Basar. Errichtet im 15. Jahrhundert und immer wieder erweitert, verliert man schnell die Übersicht und die Orientierung. Gegessen haben wir bei einem Stand, der uns wärmstens von einem Türken empfohlen wurde, der 14 Jahre lang in München gearbeitet hatte. Erst später stellten wir fest, dass es Hammelinnereien waren, die wir aßen.

 

2001_Robo_essen

 

War die WM noch gedanklich in weiter Ferne, rückt sie nun immer näher. Die Schüler werden nervöser und bereiten sich in den Pausen und am Abend akribisch auf die kommenden Aufgaben vor. Die auf Englisch zu haltenden Vorträge wurden mithilfe von Karteikarten vorbereitet und die Akkus der Roboter geladen. Die WM kann endlich beginnen: Philipp, Dejan, Tom und Alexandros sind bereit.

 

 

Die Wettkampftage, 6. -  9. Juli 2011


Aufgeregt und voller Anspannung packten Tom und Alexandros vom Team „AATL“ und Dejan und Philipp vom Team „void“ ihre Sachen aus.
Während sich die Wettkampfteilnehmer in der neuen, ungewohnten und auch lauten Umgebung orientieren mussten, begaben sich die beiden Lehrer auf die begrünte Dachterrasse zum Kaffee. Nach dem ersten Verschnaufen entschlossen wir uns, nach den Hoffnungsträgern zu sehen. Eine unmittelbare Einflussnahme von Seiten der Lehrer war durch Absperrungen und aufmerksame Schiedsrichter nicht möglich. Als wir an der Absperrung ankamen, stellten wir überrascht fest, dass die Jungs die Gelassenheit und ihre Sicherheit, die Probleme zu bewältigen, irgendwo zwischen Hannover und Istanbul verloren hatten. Gelang den WM-Teilnehmern noch zu Hause ein perfekter Lauf nach dem anderen, gab es hier unerwartete Probleme.

 

2011_RoboCup_Wettkampf

 

Die Fehlersuche begann. In Hannover wäre diese Fehlersuche routiniert und zielgerichtet abgelaufen. Aber fern der Heimat versuchten die Jungs alle Probleme auf einmal zu lösen und verloren ihre Struktur bei der Fehleranalyse. Zum einen wurde der NXT-Stein als Fehlerquelle vermutet, dann die Sensorik, und schließlich war die Bahn an sich schuld an den Problemen. Nach einem ernüchternden ersten Tag machten wir uns auf ins Hotel, um ein wenig Distanz und Ablenkung zu erlangen. Am ersten Wettkampftag sollte doch die Welt ein wenig anders aussehen: ein bisschen besser.
Doch schon zu Beginn des ersten Wettkampftages traten die Probleme wieder auf. Die ersten drei Läufe beider Teams waren eher durchwachsen. Leider schafften die Roboter in allen drei Läufen nicht das Hinauffahren auf die Rampe, was zu erheblichen Punktabzügen führte. Die sonstigen Leistungen auf dem Parcours waren durchaus ansprechend, wenn auch nicht übermäßig gut. Erst beim Nachmessen der Neigung der Rampe erkannten wir, dass die Neigung nicht dem Regelwerk entsprach. Anstatt 25° betrug diese knapp 29°. Ein Ändern war nach Aussage der Oberschiedsrichter allerdings nicht mehr möglich. Diese Differenz führte bei den meisten Robotern zu massiven Problemen. Neben mangelndem Grip setzen die Sensoren teilweise vorne auf, so dass es zu wiederholten Fehlererkennungen kam, die ein ordnungsgemäßes Weiterfahren verhinderten. Nachdem mehrere Teams beim Oberschiedsrichter Beschwerde eingelegt hatten, kam es am Abend zu einer Sitzung, um den Umgang mit diesen Problemen zu erörtern. Geändert wurde allerdings nichts.

Die Schüler, aber auch wir Lehrer waren von der Organisation des Turniers enttäuscht. Dieser Regelverstoß stellte nur die Spitze des Eisbergs einer unzureichenden Organisation des Wettbewerbes dar. Leider hatten die Jungs so bereits am ersten Tag die Chancen für eine sehr gute Platzierung ohne eigenes Verschulden verloren. In den beiden folgenden Tagen gelang es beiden Teams unter großer Anstrengung, die Rampe mit der erhöhten Neigung zu meistern. Nun kam allerdings noch Pech dazu. Die Roboter konnten nach dem Umfahren des Hindernisses die Linie nicht wiederfinden, das zu findende „Opfer“ wurde um Millimeter im oberen Raum verpasst, und der Roboter rutschte bei dem Überfahren der Speedbumper aus der Spur.

 

2011_RoboCup_Gruppenfoto

 

Trotz des überraschenden Ausscheidens nach dem 3. Wettkampftag können die Jungs stolz auf sich sein. Bei ihrer ersten Teilnahme an den deutschen Meisterschaften erreichten sie den 3. und 4. Platz und qualifizierten sich damit direkt für die Weltmeisterschaft. Hier in Istanbul konnten Sie zeigen, dass sie sehr gute Programmierkenntnisse haben, allerdings konnten ihre Roboter diese nicht so umsetzen wie erhofft. Der Funke des RoboCup Gedanke ist aber entzündet. Noch am Abend des letzten Tages wurde der neue Roboter entwickelt, mit denen die Teams dann auf der nächsten RoboCup-WM 2012 in Mexiko angreifen wollen.
Die schlechte Organisation der diesjährigen Wettkämpfe ermöglicht es leider nicht zu sagen, welchen Platz die Goetheschüler gemacht haben. Bis zum heutigen Tag sind noch keine Ergebnislisten vorhanden.