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Goetheschüler ringen um die Qualifikation zur deutschen RoboCup-Meisterschaft

 

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Legosteine, Motorenteile, Getränkeflaschen, Sensoren, Schokoladenriegel, Kabel – dazwischen immer wieder Schülergruppen, die angeregt miteinander diskutieren oder konzentriert Daten in ihre Laptops haken. Höchste Konzentration, Spannung und jede Menge Ehrgeiz liegen in der Luft auf dem Hannoveraner Messegelände.

Kein Wunder, geht es hier doch um nichts Geringeres als die Qualifikation zur deutschen RoboCup-Meisterschaft. In den anspruchsvollen Kategorien „RoboRescue“ und „RoboDance“ treten in diesem Jahr mehr als 120 Teams gegeneinander an. Über 300 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 12 und 18 Jahren aus Bayern, Schleswig-Holstein, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen haben das Ziel, Ende April beim Deutschlandentscheid in Magdeburg dabei zu sein.

In diesem Jahr neu dabei ist die Disziplin „RoboDance“. Hier geht es um die ganz große Performance: Die Roboter werden dazu mit aufwendigen Aufbauten und Kostümen ausgestattet und führen auf einer Bühne eine komplette Choreografie vor.

Der Klassiker ist natürlich auch dabei. In der Disziplin „RoboRescue“ wird das Retten und Bergen von verschütteten Opfern simuliert. Auf einer drei Quadratmeter großen Wettkampfbahn mit zwei Ebenen, die dem Modell eines mehrstöckigen Hauses nach einem Erdbeben nachempfunden ist, müssen die Roboter in nur acht Minuten nicht nur zahlreiche Hindernisse umfahren, sondern auch noch „Verunglückte“ finden und bergen. Das Team, dessen Roboter die meisten Aufgaben fehlerfrei bewältigt, erhält die höchste Punktzahl und gehört damit zu einer der wenigen Gruppen, die sich für die deutsche Meisterschaft qualifizieren. Neben dem Schwierigkeitsgrad A können sich die erfahreneren Teilnehmer in diesem Jahr auch in der nächsten Stufe, Rescue B, versuchen.

Unterstützt wird das RoboCup-Qualifikationsturnier, das bereits zum zweiten Mal in Hannover ausgetragen wird, von der Stiftung NiedersachsenMetall. Sie finanzierte nicht nur zwei nagelneue Wettkampfbahnen für „Rescue B“ im Wert von rund 3.000 Euro, sondern stellte auch den Kontakt zum besonderen Austragungsort, der Robotation Academy, her.

„Die Robotation Academy bietet das perfekte Umfeld für den Wettbewerb und unsere jungen Roboter-Fans“, weiß Olaf Katzer, Geschäftsführer der Robotation Academy und Leiter der Koordination Berufsausbildung / Weiterbildung bei der Volkswagen Coaching GmbH. „Hier erleben die Schülerinnen und Schüler hautnah, wofür die von ihnen bisher spielerisch genutzte Technik in der Wirtschaft eingesetzt werden kann.“

Denn zu sehen gibt es hier tatsächlich so einiges und schon gar nichts Alltägliches: 15 funktionstüchtig aufgebaute Industrieroboter unterschiedlicher Leistungsklassen stehen hier für Schulungen zur Verfügung und zeigen unterschiedliche Automationskomponenten im Zusammenspiel. Darüber hinaus gibt es fünf Anlagen, an denen alle wesentlichen Fragen der industriellen Automation beantwortet werden können. An mehreren fahrerlosen Transportsystemen kann auch auf die Aspekte der mobilen Automation eingegangen, und die Anbindung an stationäre Anlagen vorgeführt werden.

Eine Menge Technik liegt während des Qualifikationsturniers in der Luft des gesamten Messegeländes, denn in den umliegenden Messehallen läuft der Aufbau der Cebit auf Hochtouren. „Um den Teilnehmern und Gästen ein sicheres Ankommen an der Robotation Academy zu ermöglichen, wird von VW ein Shuttle-Bus eingesetzt, der ständig vom Eingang ‚Messe-Nord‘ bis zur Robotation Academy und zurück pendelt“, versichert Olaf Katzer.

Organisiert wird die Vorausscheidung zur deutschen RoboCup-Meisterschaft von den Informatiklehrkräften des Gymnasiums Langenhagen, der Goetheschule und dem Georg-Büchner-Gymnasium Seelze. Sie haben mit ihren Schülerinnen und Schülern schon erfolgreich an den Weltmeisterschaften in Mexiko-City, Atlanta, Suzhou, Singapur und Istanbul teilgenommen.

„So ein Wettbewerb ist immer etwas Besonderes für die Schülerinnen und Schüler.“ weiß Joachim Selke, Lehrer der Goetheschule, aus seiner jahrelangen Erfahrung. „Und auch für uns als Lehrkräften ist es immer wieder toll zu sehen, mit wie viel Herzblut, Engagement und Ehrgeiz alle bei der Sache sind. Gerade in der Vorbereitungsphase müssen wir die Teams manchmal regelrecht aus dem Informatikraum rausschmeißen, sonst würden sie bis spät in die Nacht noch tüfteln.“

Aber wer glaubt, zwischen den angetretenen Gruppen tobe der blanke Konkurrenzkampf, irrt sich. „Der Wettbewerb ist gekennzeichnet von einer intensiven und erfolgreichen Teamarbeit. Manchmal helfen sich die verschiedenen Teams sogar untereinander– das eigene Wissen weiterzugeben reizt scheinbar mehr, als einsam als strahlender Sieger auf dem Treppchen zu stehen.“


Elke Peters