.
 Zehn junge Schauspieltalente...
...wagten einen Neuanfang, da waren's nur noch neun! Doch das lag nicht daran, dass bei der Übergabe der Leitung der English Drama Group von Hans Werner an Ilka Springmann einer der Nachwuchsmimen über Bord gegangen wäre.
 

...wagten einen Neuanfang, da waren's nur noch neun! Doch das lag nicht daran, dass bei der Übergabe der Leitung der English Drama Group von Hans Werner an Ilka Springmann einer der Nachwuchsmimen über Bord gegangen wäre. Nein, es war der Anfang der wunderbaren Kriminalkomödie „And then there were none" von Agatha Christie, mit der Springmann (adieu, Frau Ludwig!) eine gute Wahl für ihr Regiedebüt traf.

Auf einer abgeschiedenen Insel vor der englischen Küste treffen unverhofft recht verschiedene Menschen auf einem Herrensitz aufeinander. Sie alle eint, dass sie von einem gewissen U.N. Owen eingeladen wurde. Niemand kannte ihn, aber jeder hatte einen guten Grund, dieser verlockenden und großzügigen Einladung zu folgen. Schon bald durchschauen die Gäste, dass sie einem Streich des unbekannten U.N. Owen (Mr. Unknown!) aufgesessen sind. Nun sitzen sie aber auf der Insel fest und werden plötzlich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert: Sie alle haben scheinbar „Leichen im Keller" und müssen sich plötzlich vor wildfremden Leuten für ihre Taten rechtfertigen, nachdem sie der Strafverfolgung seinerzeit entgangen waren. Doch schon bald werden sie selbst zu Opfern: Wie im Abzählreim „Ten Little Indians" (dt. „Zehn kleine Negerlein") fallen sie einer nach dem anderen einem mysteriösen Mörder zum Opfer, der unter ihnen sein muss! Natürlich steigt die Nervosität unter den Überlebenden, nachdem schon Anthony Marston (Tamara Zyemtsova), Ethel Rogers (Nina Beuleke) und der klapprige Veteran Mackenzie (plötzlich ergraut: Felix Müller) wie die Fliegen gestorben sind. Als auch der Butler Thomas Rogers (zu Ihren Diensten: Christoph Schoppe), die spießige Emily Brent (Elisabeth Bekmanis) auf im Abzählreim mysteriös angedeutete Weise zu Tode kommen, steigert sich das gegenseitige Misstrauen ins Unermessliche: Lieber nichts Zubereitetes mehr essen oder Getränke aus offenen Flaschen trinken! Auch Fred Narracot (Oliver Klocek), Sir Lawrence Wargrave (Mara Chmielus) und Dr. Armstrong (Wiebke Beushausen) verschwinden noch von der Bildfläche, so dass es zum ebenso brillanten wie dramatischen Showdown zwischen Vera Claythorne (Maria Mund), William Blore (Leon Mache) und Captain Lombard (Sidney Berg) kommt. Nun laufen die Platzhirsche zu Hochform auf und liefern sich ein Rededuell, dass dem Zuschauer schwindelig wird. Leider muss aber auch Blore noch sterben, damit Claythorne und Lombard beim High Noon ihre Unschuld feststellen und gemeinsam überleben können. Wer nun der Mörder war? Es stellt sich heraus, dass der ehemalige Richter Wargrave, der seine eigene Ermordung nur vorgetäuscht hat, auf eigene Faust für Recht und Sühne sorgen wollte angesichts des Versagens der Justiz.
Das temporeiche Stück, das den Zuschauer durch Spannung ebenso fesselt wie durch Situationskomik, wurde von der gemischten Schauspieltruppe, die Springmann aus den Jahrgängen 8 (Olga Poleszczuk: das Gewissen) bis 13 rekrutiert hat, professionell auf die Bühne des traditionellen Goethekellers gebracht. Geschickt eingesetzte musikalische Einlagen und mitreißende Tanzszenen („Thriller"!) sorgten für Überraschungsmomente, und die kristallklare Aussprache machte die Aufführung zum Ohrenschmaus nicht nur für Englischprofis. Leon Mache alias William Blore alias Davis („Davis is the name!") hat „nebenbei" das Abitur abgelegt und wird bei der nächsten Produktion schmerzlich vermisst werden. Immerhin kann das Publikum aber auf ein Wiedersehen mit den ebenso herausragenden Talenten Maria Mund und Sidney Berg aus dem Jahrgang 12 hoffen.

Anmerkung 1: Wer nachgezählt hat, hat festgestellt, dass es eigentlich elf junge Schauspieltalente sind, aber das wird an dieser Stelle nicht weiter erklärt!

Anmerkung 2: Agatha Christie veröffentlichte die Geschichte zuerst 1939 als Roman mit dem Titel „Ten Little Niggers", ein Jahr später erschien die amerikanische Ausgabe unter „Ten Little Indians". Schon bald nach dem Erscheinen wurde der Abzählreim im Text in „Ten Little Soldierboys" abgemildert und die letzten Wörter des Reims wurden zum Titel: „And then there were none". Im Alltag wird heute übrigens häufig eine „politically correct version" mit „teddy bears" aufgesagt...

                                                                   Text: Kai Kämmerer
                                                                   F otos: Constanze Krohne