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Endlich wieder einen Austausch nach Russland

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Nach vielen Jahren ohne Austausch haben Frau Neßling-Tihomirov und Herr Heidt eine Gruppe von Goetheschülern nach Sankt Petersburg begleitet. Wir freuen uns auf den Besuch der russischen Schüler Anfang Juni in der Goetheschule. Lesen Sie hier mehr zum Programm und zum Leben in den Gastfamilien.

Flug 06.03.2017

08:15 Uhr: Ein gemütlicher Flughafen-Hannover: Erstes Chaos beim elektronischen Check-In, dessen arbeitsentlastende Funktion, den doppelten zeitlichen und personellen Aufwand forderte. Ohne Probleme ward dann der Flug durch grauverhangenen Himmel nach Amsterdam. Dort werden die Reisenden nach Nationalitäten getrennt und geprüft.

Der Umstieg nach Sankt Petersburg: Trotz ausreichender Zeit werden die Entfernungen am Flughafen (Gates-WC-Proviant) schnell zum Nervenkitzel.

 

Reisevorbereitung

 

06:15 Uhr: Weil nichts bleibt wie geplant, war Herr Heidt nach Sankt Petersburg über Paris geflogen und die Gruppe mit Frau Neßling-Tihomirov über Amsterdam: Trotz deutlich besserer Verpflegung ist der Umstieg in Paris aber für Gruppenreisen völlig ungeeignet.

17:35 Uhr: Nach zweieinhalb Stunden Flug und überbackenem Nudel-Gemüse-Kunstkäse-Gemisch landen wir bei strahlendem blauem Himmel in Sankt Petersburg. All die vorbereiteten Papierberge vereinfachen und beschleunigen den Grenzübergang. Keiner hat Lust sie durchzuforsten☺. Der riesige neue Flughafen ist genauso still und menschenleer wie in Hannover. Das Treffen mit den Gastschülern ist unkompliziert. Zügig geht es in die Familien.

 

Der erste Tag am Gymnasium 166 07.03.2017

 

Treffen


Die ersten Eindrücke sind überwältigend: Der eisige Wind, der uns um die Ohren weht, die gut und schön erhaltenden Gebäude, die wie Kunstwerke die Stadt schmücken, sowie die guten, sauberen, viel befahrenen Straßen, die vielen Fußgänger, die altehrwürdige von Alexander I gegründete Schule, die im Inneren am Eingang von zwei Wächtern bewacht wird, die von SuS umgeben sind, die ihre Schuhe wechseln. Mit Unterrichtsbeginn um 9 Uhr, in großen, hellen, individuell gestalteten Klassenräumen erhalten die „Neuanfänger“ gesonderten Deutschunterricht, die „Muttersprachler“ gehen mit Ihren Gastschülern in regulären Unterricht. Angenehm ist die herzliche unkomplizierte Aufnahme seitens der Lehrkräfte und der Schulleitung. Die Pausen markieren wechselnde Überraschungsgongs mit russischen Kinderliedern. Befremdet sind für uns die vielen SuS mit ihren mobilen elektronischen Begleitern und fehlendes Toilettenpapier in den verschließbaren Damentoiletten sowie ein Hausmeister, der in formeller Dienstkleidung deren Interieur vor mutwilliger Zerstörung durch randalierende 8 und 9 Klässler schützt. Wie tröstlich ist es, dass SuS überall gleich sind! Bei der Ankunft am Flughafen war uns mitgeteilt worden, man erwarte eigentlich einen vierstimmigen Chorsatz als Beitrag zur Aulaveranstaltung in der 5. Stunde. In der 4. Stunde empfängt uns der Schulleiter. Anschließend repetieren wir eine Standrezitation zum Gedicht „Gilkgo biloba“ von Johan Wolfgang von Goethe auf Deutsch und Russisch, das inhaltlich zur Geschichte unserer Schule und unseres Schullogos gehört. Es wird zum ernsthaftesten Beitrag der anschließenden Aulaveranstaltung zum „Tag des Verteidigers des Vaterlandes“ (23.02.) und dem „Weltfrauentag“ (08.03.) als „Männer- und Frauentag 23+8“, die den historisch-politischen Kontext auf eine von den SuS selbstgestaltete, erheiternde, geschlechtstypische Konkurrenzsituation reduziert. Ob durch Lied oder Gedicht, ob durch eine kurze Geschichte oder einen Sketch, oft ist eine künstlerische oder theatralische Darbietung ein Genuss für Ohren und Augen. Nach dem Mittagessen in der schuleigenen Mensa. Abgeschlossen wurde dieser Tag mit einer sehr interessanten Besichtigung der letzten Wohnungen von F.M. Dostojewski.

Austausch

 

Weltfrauentag 166 08.03.2017

Der Weltfrauentag wird in Russland als offizieller Feiertag gefeiert. An diesem Tag haben alle frei und somit fand auch keine Schule statt. Jeder hat an diesem Tag eigene Erfahrungen in den Gastfamilien gesammelt und mit diesen etwas unternommen.

 

Freundschaftsspiel, Blockadeschulmuseum und Ermitage 09.03.2017

09:00 Uhr: Zu gewohnter Zeit beginnt unser zweiter Schultag. Da aufgrund der Abschlussprüfungen im 11 Jahrgang der SuS der 8./9. Jahrgangs stattfindet stellt das Freundschaftsspiel im Volleyball in der 4. Und 5. Stunde die einzige Möglichkeit dar, gleichaltrige SuS kennen zu lernen. Es können aber nur die drei Jungs Volleyball spiele. Bei den Russen scheint das im Wesentlichen nicht anders zu sein. So werden „gemischte“ Teams gebildet, wobei Florian gegen Kirill und Daniel spielt. Nach 45 Minuten werden die Zuschauerinnen zurück in den Unterricht geschickt und erst dann entsteht ein richtig gutes Spiel, das fast mit gleichstand endet, 25 zu 27.

 

Umschau

14:00 Uhr: Nach dem Mittagessen steht eine Führung durch das schuleigene Museum an. Es gilt dem Schicksal der SuS und Lehrer während der Blockade der Stadt Leningrad im zweiten Weltkrieg durch die deutsche Wehrmacht (08. September 1941 – 27. Januar 1945), die auf persönlichen Befehl Hitlers versuchte, die Einwohner der Stadt durch Hunger völlig auszulöschen. Von den 2,5 Millionen eingeschlossenen Menschen starb fast die Hälfte den Hungertod.

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16:00-18:00 Uhr: Zwei Stunden sind absolut zu wenig Zeit, für diese riesige Kunstsammlung! Richtig geschockt waren wir davon, dass die Bilder und Kunstwerke alles Originale sind! Fünf Paläste sind gefüllt mit Kunstsammlungen der ganzen Weltgeschichte.

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Unterricht und Stadtrundfahrt durch Sankt Petersburg 10.03.2017

9:00 Uhr: Zur ersten Stunde beginnt der gewohnte Schultag. Wieder unterbrochen von der Schulärztin, die einzelne SuS zu Impfung herausruft. In der dritten Stunde wurde in drei Gruppen „Was“, „Wann“ und „Wo“ gespielt. Die Gruppe, die aus deutschen und russischen SuS bestand, wurde Sieger. Nach dem Mittagessen (wie gewohnt) Püree/ Nudeln mit Schnitzel/Frikadelle/Rindfleisch mit Kompott und Gebäck, laufen wir eine halbe Stunde zum Gostinyj Dvor‘ wo der Bus zur Stadtrundfahrt auf uns wartet. …Draußen war es ziemlich grau und ungemütlich.. wir waren satt und müde… und haben die Stadtführerin nicht durch Gerede unterbrochen…dann sollten wir aussteigen, sonst hätten wir kein Gruppenfoto machen können. Zum Schluss stiegen wir 254 Stufen zur Isaakskathedrale hinauf. Der Rundblick ist bei schönem, klaren Wetter bestimmt richtig beeindruckend.

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Sommerpalast und das Theater 11.03.2017

10.00 Uhr: Obwohl in Russland auch samstags unterrichtet wird bekamen wir „frei“ und treffen uns an der Metrostation „Puschkinskaja“.

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Man fährt ja in St. Petersburg u.U. länger die Rolltreppen hinauf und herunter, als ein paar Haltestellen weiter. Zu Fuß geht es zum ältesten Bahnhof in St. Petersburg, der vielen als Filmkulisse zu Tolstojs Roman „Anna Karenina“ bekannt ist. Der Bahnsteig kann nur mit Fahrkarte betreten und verlassen werden. Die „Elektitschka“ ist zwar nicht ganz so alt wie der Bahnhof (1838), aber trotz Museumsreife pünktlich und voll funktionstüchtig. Nach einer halben Stunde Fahrt durch grau verhangene Trabantenvorstädte erreichen wir „Puschkino“ 25 km von St. Petersburg entfernt und fahren zur Sommerresidenz von Katharina der Großen mit 330 m langen Zimmerfluchten, Bernsteinzimmer und allem barocken Rastrelli-Gold frisch rekonstruiert. Nach dem Besuch der Katharinenkathedrale geht es zu Fuß zurück zum Bahnhof „Puschkino“.

19.00-22.00 Uhr: In der Operette „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehar geht es um Grenzen und noch zu schaffende Möglichkeiten menschlichen (Zusammen) Lebens. Schnell frisch gestylt haben wir unsere Fahrt mit dem gemeinsamen Besuch der ersten Ungarisch-Russischen Koproduktion im Theater of Musical Comedy u beendet.

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Rückflug 12.03.2017

Der Tag des Rückflugs gehört den Gastfamilien. St.-Petersburg zeigt sich bei strahlend blauem Himmel von seiner Sonnenseite.

 

16 Uhr: Treffen am Flughafen Pulkova I.

Während die SuS mit einem moldawischen oder deutschen Pass mühelos die Grenze passieren, werden die ausreisenden minderjährigen SuS mit russischem Pass (der allein in Russland interessiert, auch wenn man die doppelte Staatsbürgerschaft hat) nun mehrfach argwöhnisch kontrolliert: Schon vor dem Check-In werden die Einverständniserklärungen der Eltern der SuS eingefordert und die Pässe mit Aufklebern versehen, die der Grenzschutz später an sich nehmen wird. Obwohl die erste Prüfung der Einverständniserklärungen nur zwei Meter vor dem Check-In Schalter stattfindet, müssen sie am Schalter ein zweites Mal vorgelegt werden. Ein drittes Mal werden sie am Zoll fällig, der auch die Namensschreibung auf den Bordkarten hinterfragt. So ist die Passkontrolle an der Grenze die vierte Station, die die Einverständniserklärungen der Eltern überprüft.

Inzwischen hat sich Nebel zusammen gezogen und wir warten über eine halbe Stunde auf eine Starterlaubnis. Der Umstieg in Amsterdam verläuft aber dennoch reibungslos und wir erreichen mit 20 Min. Verspätung und zwei Stunden Zeitumstellung in den Knochen Hannover.

 

Text und Fotos: D. Heidt